{"id":9080,"date":"2017-03-05T10:46:47","date_gmt":"2017-03-05T09:46:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gymbsb.de\/?p=9080"},"modified":"2017-03-08T18:46:43","modified_gmt":"2017-03-08T17:46:43","slug":"am-anfang-steht-der-eukalyptusbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymbsb.de\/?p=9080","title":{"rendered":"&#8222;Am Anfang steht der Eukalyptusbaum&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Exkursion des Lk 11 Geographie in die Papierfabrik \u201eSchoeller\u201c Osnabr\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Was haben unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Martin Luther und George Eastman, Gr\u00fcnder von \u201eKodak\u201c, gemeinsam? &#8230; Richtig! Die L\u00f6sung hei\u00dft: PAPIER!<\/p>\n<p>Jedem, der einmal die Schulbank gedr\u00fcckt hat, ist bewusst, dass unsere Lernkultur nicht zuletzt auf dem klassischen Schreibheft und Schulbuch gr\u00fcndet \u2013 also auf Papier\u2026.<\/p>\n<p>Und ohne die Gutenbergsche Erfindung des Papierbuchdrucks w\u00e4re es im 16. Jahrhundert wohl kaum m\u00f6glich gewesen, die deutsche Bibel\u00fcbersetzung Luthers in gro\u00dfer St\u00fcckzahl und damit mit durchschlagender Wirkung unters Volk zu bringen. Genauso wenig w\u00e4re es dem Amerikaner Eastman, Erfinder des Rollfilms, ohne Papier m\u00f6glich gewesen, die Fotographie im 20. Jahrhundert als Hobby f\u00fcr jedermann zu revolutionieren.<\/p>\n<p>Und hier kommt die Firma Schoeller ins Spiel, denn im letzten Jahrhundert, so der Referent der Papierfabrik, Herr Vollmer, gab es weltweit kaum einen papierenen Fotoabzug von Agfa, Kodak, Fuji und anderen, der nicht auf dem Fotopapier von Schoeller basierte\u2026\u2026 Und das macht neugierig!<!--more--><\/p>\n<p>Der nun f\u00e4llige Einwand, heute ist eh alles digital gespeichert, gilt in der Fotographie nur bedingt, da auch in der Zeit der Digitalkameras Fotoabz\u00fcge weltweit in Unmengen generiert werden, z.B. an den Abzugsautomaten diverser Drogeriem\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Der Hauptproduktionsschwerpunkt, der 1895 in Osnabr\u00fcck L\u00fcstringen gegr\u00fcndeten Firma Schoeller, liegt auf der Herstellung von speziell beschichteten Papiersorten bzw. Folien f\u00fcr Dekorpapiere der M\u00f6bel-, Holzwerkstoff- und Tapetenindustrie sowie f\u00fcr professionelle Fotoausdrucke, mit denen zum Beispiel auch auf privaten Farbdruckern, die heutzutage in fast jedem Haushalt stehen, Farbbilder gedruckt werden k\u00f6nnen. Auf diesem Sektor ist Schoeller Weltmarktf\u00fchrer mit mehreren Standorten in Deutschland und Europa, aber auch in den USA, in Kanada bis hin nach Fernost, was bedeutet, dass man es hier mit einem hochkar\u00e4tigen Global Player dieser Branche zu tun hat, dessen Vision und Motto \u201eThe leading surface company\u201c allein schon Grund genug ist, mit einem Erdkundeleistungskurs, der sich mit moderner Industriegeographie besch\u00e4ftig, eine Betriebsbesichtigung durchzuf\u00fchren\u2026\u2026<\/p>\n<p>Doch vor jedem Industrierundgang steht die \u201egraue\u201c Theorie und so wurde die Exkursionsgruppe durch den Referenten zun\u00e4chst in einem sehr ansprechenden H\u00f6rsaal, der sich architektonisch h\u00f6chst interessant an eine historische Holl\u00e4nderm\u00fchle, dem \u201eKristallisationskeim\u201c der Papierfabrik, anschmiegt, mit spannenden Fakten u.a. \u00fcber die Herkunft und Eigenschaften des nachhaltig produzierten Ausgangsstoffs \u201eZellstoff\u201c, die Zusammensetzung diverser Papiersorten, die Historie und den Umsatz der Firma, die Produktpalette, das Umweltengagement sowie die weltweit logistische Vernetzung in Vortrag, Bild und Film informiert.<\/p>\n<p>Schon allein die Zahlen beeindruckten: So liegt zum Beispiel das Absatzvolumen j\u00e4hrlich \u00fcber 350.000 Tonnen Papier, mit dem man, wenn man das seit der Gr\u00fcndung des Betriebs hochrechnet, die Erde bei einer Papierbreite von einem Meter rund 2080 mal am \u00c4quator umwickeln k\u00f6nnte\u2026..<\/p>\n<p>Dass dieser Papiergrundstoff namens \u201eZellstoff\u201c \u2013 das ist ein wei\u00dfer, faseriger, aus Cellulose bestehender Stoff, der nach Aufbereitung von Holz \u00fcbrig bleibt, wenn das Lignin entfernt wurde \u2013 aus s\u00fcdamerikanischen Eukalyptusb\u00e4umen stammt, erstaunte alle Anwesenden, die in dem Zusammenhang eher an Hustenbonbons dachten\u2026..<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcnglich australische Eukalyptusbaum, ein Myrtengew\u00e4chs, hat f\u00fcr die Zellstoffproduktion \u201eunschlagbare\u201c Vorteile, denn er w\u00e4chst unter bestimmten klimatischen und pedologischen Bedingungen sehr rasant, d.h. er ist schon in ca. acht Jahren mit 20 Meter H\u00f6he \u201eerntereif\u201c. Im Vergleich dazu w\u00fcrde eine aus Nordeuropa stammende Kiefer des borealen Nadelwalds eine so genannte \u201eUmtriebszeit\u201c vom Setzling bis zur Ernte von \u00fcber 80 Jahren aufweisen! Zur enormen Produktivit\u00e4t an Biomasse gesellt sich ein weiterer Vorteil: man gewinnt aus dem Eukalyptus als Laubbaum einen besonders kurzfaserigen Zellstoff von h\u00f6chster Qualit\u00e4t wie sie f\u00fcr diese Art der Papierherstellung ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>Die sich anschlie\u00dfende Betriebsf\u00fchrung hatte mehrere Highlights aufzuweisen, wobei hier nur auf das absolut imposanteste, die Papiermaschine, eingegangen werden soll. Die riesige Halle, in der dieser Koloss steht, dominiert das gesamte Firmengel\u00e4nde. Steht man als kleines \u201eMenschlein\u201c vor einem solchen \u201eRiesen\u201c, werden alle Sinne angesprochen. Er \u00fcberw\u00e4ltigt zun\u00e4chst mit schierer Gr\u00f6\u00dfe! Eine Papiermaschine ist \u00fcber zwei Stockwerke hoch, hat eine Siebbreite von ca. 12 Metern und etwa die L\u00e4nge eines Fu\u00dfballfeldes\u2026. Sie ist hei\u00df, dampft, zischt, riecht streng nach Waschk\u00fcche und ist in rasender Bewegung. \u00dcber eine gro\u00dfe Zahl schnell rotierender Rollen, Walzen und Trommeln schie\u00dft der wei\u00dfe Zellstoffbrei nebst Ingredienzien mit H\u00f6chstgeschwindigkeit, wird gepresst und getrocknet, sodass am Ende etwa 2000 Meter Papier pro Minute auf dem \u201eTambour\u201c aufgerollt werden k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>\u201eNach diesem Erlebnis sieht man Papier mit anderen Augen\u201c \u2013 den Eindruck vermittelten auch die Oberstufensch\u00fcler in der anschlie\u00dfenden Nachbesprechung bei Limo und Burger. An dieser Stelle sei noch einmal der Firma \u201eSchoeller\u201c f\u00fcr die Einladung und speziell Herrn Vollmer, dem Referenten, f\u00fcr den spannenden Vormittag gedankt!<\/p>\n<p>(F\u00fcr Technikfans noch eine Anmerkung: Den Zellstoffnachschub vom DB-Gleis besorgt eine werkseigene Dampfspeicherlok, die mit Hei\u00dfdampf aus dem werkseigenen Kraftwerk feuerlos angetrieben wird!)<\/p>\n<p>Gahm<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-9095 alignleft\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-003-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"109\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-003-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-003-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-003-618x824.jpeg 618w, https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-003-333x444.jpeg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 109px) 100vw, 109px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-9096\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-033-150x150.jpeg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-033-150x150.jpeg 150w, https:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Exkursion-Papierfabrik-Schoeller-071216-033-66x66.jpeg 66w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion des Lk 11 Geographie in die Papierfabrik \u201eSchoeller\u201c Osnabr\u00fcck Was haben unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Martin Luther und George Eastman, Gr\u00fcnder von \u201eKodak\u201c, gemeinsam? &#8230; Richtig! 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