{"id":3874,"date":"2014-08-02T22:26:04","date_gmt":"2014-08-02T20:26:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www1.gymbsb.de\/?p=3874"},"modified":"2014-08-16T12:02:09","modified_gmt":"2014-08-16T10:02:09","slug":"feuernetze-und-enzyme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymbsb.de\/?p=3874","title":{"rendered":"Feuernetze und Enzyme"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Grundkursexkursionen zum Deutschen Institut f\u00fcr Lebensmitteltechnik DIL Quakenbr\u00fcck und zur Kornbrennerei Wollbrink Bersenbr\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stoffwechsel- und Immunbiologie \u2013 das sind biologische Oberstufenthemen, die den Kurssch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern Einiges abverlangen\u2026. Im Unterricht wimmelt es nur so von abstrakten Fachausdr\u00fccken, chemischen Formeln und komplexen, biochemischen Abl\u00e4ufen. Zur veranschaulichenden Erg\u00e4nzung der grauen Theorie bieten sich einerseits zwingend Sch\u00fclerexperimente, aber auch Exkursionen an, die zeigen, dass dieser Theorie auch im Alltag ein \u201epraktischer N\u00e4hrwert\u201c, hier schon im wortw\u00f6rtlichen Sinne, entw\u00e4chst. Aus diesem Grund besuchte der Gk Bio 11 auf zwei Exkursionen zum einen das DIL in Quakenbr\u00fcck, wobei hier Themen der modernen Analytik sowie Mikrobiologie mit Bezug Lebensmittelherstellung, -haltbarmachung bzw. -verderb nebst daraus resultierende, gesundheitliche Gefahren im Fokus standen und zum anderen die Kornbrennerei Wollbrink in Bersenbr\u00fcck, die den Br\u00fcckenschlag von der alkoholischen G\u00e4rung im Unterricht hin zur industriellen Spirituosenherstellung vollzog.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch der Reihe nach! Nach der kurzen Anfahrt mit der Nordwestbahn und einem l\u00e4ngeren Fu\u00dfmarsch bei 30 \u00b0C im Schatten war es sehr angenehm dem vortragenden Referenten im klimatisierten H\u00f6rsaal des DIL zu lauschen. Der Mikrobiologe Dr. Dietrich nahm die Gruppe in seinem spannenden, fast einst\u00fcndigen Vortrag mit in die zum Teil bizarre Welt, der meist mit blo\u00dfem Auge nicht sichtbaren, lebensmittelrelevanten Mirkoorganismen, also Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. \u201eDiese k\u00f6nnen fast alles\u201c, so der Vortragende, da sie auf diesem Globus an extremste Bedingungen angepasst sind und durch ihre Varianz an Enzymausstattungen so ziemlich alles verwerten k\u00f6nnen, was ihnen als Substrat geboten wird. Da gibt es hyperthermophile Bakterien wie das Feuernetz \u201ePyrodictium occultum\u201c, das sich in hei\u00dfen Quellen mit \u00fcber 100\u00b0C, der Rekord steht momentan bei 121\u00b0C, aufh\u00e4lt und das im \u201eKeim-O-Meter\u201c am anderen Ende stehende Bakterium \u201ePolaromonas vacuolata\u201c, das sich im Eismeer bei 0\u00b0C wohl f\u00fchlt. Auch konnte man sich der \u00c4sthetik elektonenmikroskopischer Aufnahmen profaner Schimmelpilze nicht entziehen, die sich \u00fcber ein Brot \u201ehermachen\u201c und dessen Ingredienzien als Energietr\u00e4ger nutzen. Dieser \u201emorbide Charme der Destruktion\u201c von Lebensmitteln hat allerdings oft seinen Preis, da dabei auch h\u00e4ufig f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrliche Gifte, wie beispielsweise das extrem gef\u00e4hrliche Nervengift Botulin des Bakteriums \u201eClostridium botulinum\u201c oder Schimmelpilzaflaoxine entstehen. Und da kommt das DIL ins Spiel. In der Lebensmitteltechnik ist es vor allem wichtig, selbige vor dem Verderb zu bewahren, also haltbar zu machen bzw. innovative Analyseverfahren wie Challenge-Test, PCA und ELISA zu entwickeln und anzuwenden, die solche \u201e\u00dcbelt\u00e4ter\u201c und ihre Produkte schnell identifizieren, bevor sie dem Menschen in Lebensmitteln gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen. H\u00f6chst interessant war auch die anschlie\u00dfende F\u00fchrung durch die Entwicklungslabore unter der Leitung von Herrn Biedermann, wobei sich die Gruppe mit Schutzkleidung versehen, wie eine Mischung aus Spuk und OP-Patienten ausnahm\u2026\u2026 Hier wurden vor allem innovative Verfahren zur produktschonenden Haltbarmachung von Lebensmitteln vorgef\u00fchrt wie die statische bzw. dynamische Hochdruckbehandlung mit einigen Tausend bar \u00dcberdruck oder der Einsatz von gepulsten, elektrischen Hochspannungsfeldern sowie Licht und die Sto\u00dfwellentechnik. Unter diesen Bedingungen haben auch hart gesottene Mikroben keine Chance!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die zweite Exkursion versprach eine spannende Informationserg\u00e4nzung zum Unterrichtsalltag, wo in Sch\u00fclerexperimenten die alkoholische G\u00e4rung mit Hilfe von Hefepilzen mit anschlie\u00dfender Destillation des beliebten Produkts \u2013 dem Spiritus oder Weingeist \u2013 durchgef\u00fchrt wurde. Nun konnten die Exkursionisten w\u00e4hrend der sachkundigen F\u00fchrung durch Herrn Wollbrink mit eigenen Augen, aber auch olfaktorisch, wahrnehmen, wie klarer Korn \u00fcber Glockenb\u00f6den destilliert und angereichert wird, um nachher zu allerlei k\u00f6stlichen Getr\u00e4nken mit Hilfe mazerierter Ausz\u00fcge von Anis, Orangen usw. veredelt zu werden. Es war unschwer zu erkennen, dass viele dieser Spirituosen unseren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern von Feten her bekannt waren\u2026\u2026 An dieser Stelle soll noch einmal den Referenten f\u00fcr ihren kompetenten Einsatz auch im Namen des Gk Bio 11 gedankt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Peter Gahm<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundkursexkursionen zum Deutschen Institut f\u00fcr Lebensmitteltechnik DIL Quakenbr\u00fcck und zur Kornbrennerei Wollbrink Bersenbr\u00fcck Stoffwechsel- und Immunbiologie \u2013 das sind biologische Oberstufenthemen, die den Kurssch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern Einiges abverlangen\u2026. Im Unterricht wimmelt es nur so von abstrakten Fachausdr\u00fccken, chemischen Formeln und komplexen, biochemischen Abl\u00e4ufen. 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