{"id":13730,"date":"2019-07-01T14:00:10","date_gmt":"2019-07-01T12:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gymbsb.de\/?p=13730"},"modified":"2019-07-03T11:51:56","modified_gmt":"2019-07-03T09:51:56","slug":"industriegeographie-live","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymbsb.de\/?p=13730","title":{"rendered":"Industriegeographie live"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Exkursion der Klasse 9d nach Osnabr\u00fcck zur \u201eKME \u2013 Kabelmetall\u201c<\/p>\n<p>\u201eIndustrieanlagen stehen nicht ohne Grund in der Landschaft herum!\u201c Das wei\u00df jeder Laie. Nur welche Faktoren den Ausschlag geben, dass der eine oder andere Industrietyp entsteht, das herauszufinden, ist Sache der Geographen. In diesem Fall war es der Unterrichtsinhalt der Klasse 9d, die sich mit den so genannten Industriestandortfaktoren und deren Wandel \u00fcber die Zeit besch\u00e4ftigten. Das Paradebeispiel eines Strukturwandels von Standortfaktoren ist in Deutschland das Ruhrgebiet. Hier liegen die wesentlichen Fakten, Kohle, Erz, Wasser und deren Bedeutungswandel recht klar auf der Hand. Kniffliger wurde es dann im Raum Osnabr\u00fcck. Warum gibt es in Georgsmarienh\u00fctte eine Stahlindustrie? Als geologische Basis recherchierten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der 9d die Quelle: wie im Ruhrgebiet das etwa 300 Millionen Jahre alte Europ\u00e4ische Karbon, das im Raum Osnabr\u00fcck in den drei Karbonhorsten \u201eH\u00fcggel\u201c bei Hasbergen, \u201eSchafberg\u201c bei Ibbenb\u00fcren und vor der Haust\u00fcr im \u201ePiesberg\u201c zu Tage tritt und damit die Energieversorgung ad\u00e4quat dem Ruhrgebiet sicherte. Erze kamen u.a. aus dem \u201eH\u00fcggel\u201c und Platz war in GMH\u00fctte auf der gro\u00dfen Freifl\u00e4che von ca. 100 ha aus dem\u00a0 Besitz der Hannoveraner Klosterkammer ebenfalls vorhanden. Als ein Sch\u00fcler dann die KME Osnabr\u00fcck ins Spiel brachte, die in Osnabr\u00fcck Kupfer verarbeitet, das nicht vor Ort abgebaut wurde bzw. wird, war ein Industrier\u00e4tsel zu l\u00f6sen, das man \u201enur\u201c live, am besten durch eine Exkursion, l\u00fcften konnte\u2026<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, die \u201eIndustriestandortfaktoren\u201c, also Infrastrukturen, Arbeitskr\u00e4fte, Agglomerationsvorteile, Rohstoffe, Energiequellen, Absatzmarkt, usw., sog. \u201eharte Standortfaktoren\u201c bzw. Werbewirksamkeit, Wohn- und Freizeitwert des Standortes oder pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde der Arbeitsnehmer, diesen zu w\u00e4hlen, sog. \u201eweiche Standortfaktoren\u201c waren hier vor Ort in einer Werksbesichtigung zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u00a0\u201eKME \u2013 Kabelmetall Osnabr\u00fcck\u201c ist eines der regional bekanntesten, global agierenden Unternehmen aus der Industrietypklasse der \u201eGrundstoff- und Produktionsg\u00fcterindustrie\u201c.<\/p>\n<p>KME unterh\u00e4lt Produktionsst\u00e4tten in Deutschland\/Europa sowie den USA und China. Die drei Unternehmensbereiche eines der gr\u00f6\u00dften Hersteller von Erzeugnissen aus Kupfer und Kupferlegierungen gliedern sich in \u201eRohrsyteme und Walzerzeugnisse\u201c, \u201eSondererzeugnisse\u201c sowie \u201eMessingerzeugnisse\u201c. Schon daran erkennt man, dass Kupfer als Werkstoff ein Tausendsassa ist, der uns allt\u00e4glich begegnet, nicht nur in Form von klassischen Kupferd\u00e4chern oder als Baustoff wetterfest verkleideter, optisch eindrucksvoller Hausfassaden, sondern und vor allem auch in den innovativen technischen Einrichtungen der modernen Kommunikations- und Elektrotechnik unserer Informations-gesellschaft oder im Automobilbau. Weitere Verwendung findet Kupfer in Heiz- und K\u00fchlungsrohren, Schiffsbau und Offshore-Installationen, als Gef\u00e4\u00dfmaterial in Braubottichen von Bierbrauereien, als Anoden beim Verkupfern oder als Legierungsmaterial verschiedener Legierungen wie Bronzen und Messing. An dieser Stelle muss die t\u00e4glich genutzte Eurom\u00fcnze genannt werden, die bei KME als Rohling produziert wird.<\/p>\n<p>Kupfer \u2013 der Name leitet sich von lat. \u201eCuprum\u201c ab, mit dem Hinweis auf Zypern (Cyprum), d.h. \u201edas Erz von der griechischen Insel Zypern\u201c, auf der im Altertum Kupfer gewonnen wurde \u2013 war eines der ersten Metalle, das die Menschheit in ihrer Genese verwendete. Schlaglichtartig soll hier nur an die \u201eBronzezeit\u201c (ca. 2000 &#8211; 800 v. Chr.) oder die Bronzehelme und Brustpanzer antiker Hopliten des griechischen Dichters Homer erinnert werden, die die junge Generation h\u00f6chstwahrscheinlich nur aus dem Film \u201eTroja\u201c kennen, wo u.a. Prad Pitt, den Achilles verk\u00f6rpernd, diesen Werkstoff anschaulich demonstriert hat oder an die Bronzekanonen des \u201eber\u00fchmten\u201c Filmpiraten \u201eJack Sparrow\u201c, den fast jeder Sch\u00fcler kennt, anlehnend an die Historie der Karibikfreibeuter des 17. Jahrhunderts wie Henry Morgan oder Blackbeard\u2026..<\/p>\n<p>Aber nun zur\u00fcck zum Rundgang durch das 540.000 m<sup>2<\/sup>gro\u00dfe Werksgel\u00e4nde der KME, das ca. 163, zum Teil denkmalgesch\u00fctzte und damit bauhistorisch interessante Geb\u00e4ude aufweist. Nach der einleitenden Begr\u00fc\u00dfung folgte die Vorf\u00fchrung eines informativen Films \u00fcber die wesentlichen Produktions-prozesse, Standortfaktoren und Historie des 1873 gegr\u00fcndeten Werks. Mit diesem Grundwissen mental ger\u00fcstet, war nun die \u201eHardware\u201c dran. Jeder Exkursionsteilnehmer erhielt Sicherheitsschuhe, Warnweste, Schutzhelm nebst Schutzbrille und zuletzt einen Funkkopfh\u00f6rer, damit auch bei L\u00e4rm Erkl\u00e4rungen der sechsk\u00f6pfigen F\u00fchrungscrew geh\u00f6rt werden konnten.<\/p>\n<p>Und los ging es, immer dem \u201eWeg der Wertsch\u00f6pfung bzw. Veredlung\u201c des Schwermetalls folgend. Die Wertsch\u00f6pfung bei KME umfasst alle Stufen der Veredlung des Ausgangsmaterials Kupfer zu Halbzeugen, die weiter verarbeitet werden und Fertigprodukten. Kathoden, das sind Kupferplatten aus der Kupferverh\u00fcttung und Sekund\u00e4rrohstoffe aus dem Recycling werden zun\u00e4chst eingeschmolzen, ggf. raffiniert und kontinuierlich im Strang zu \u201eBrammen\u201c, d.h. mehrere Meter langen, massiven Rohkupferquadern oder runden \u201eBillets\u201c vergossen. Am Anfang steht\u00a0also der h\u00f6chst imposante Schmelzofen, in dem Kupfer bei ca. 1083 \u00b0C verfl\u00fcssigt wird. Nicht weniger beeindruckend waren die sich anschlie\u00dfenden Verformungsprozesse. Im Walzwerk werden die Brammen zu B\u00e4ndern, Tafeln oder Platten verschiedener Dicke, Breite und Qualit\u00e4t umgeformt. Zum weltweiten Versand rollt man z.B. die Kupferb\u00e4nder dann zu sog. \u201eCoils\u201c zusammen, \u201eRiesenkupferschnecken\u201c, die per LKW, Bahn oder Schiff zur Endverarbeitung gelangen. In Pressen, das sind hydraulische \u201eKraftprotze\u201c, die mehrere Tausend Kilonewton Druck aufbauen k\u00f6nnen, entstehen aus den runden Kupferbillets durch Strangpressen und Ziehen Rohre, Profile und Kupferstangen, die z.T. durch spanabhebende Verfahren weiter veredelt werden. Nach ca. drei Stunden h\u00f6chst spannender, aber auch launiger F\u00fchrung, die F\u00fchrungscrew wechselte sich an den einzelnen Stationen ab, wurde der Rundgang beendet. Hier sei den \u201eJungs\u201c von der KME gedankt, die keine der Exkursionistenfragen unbeantwortet lie\u00dfen und sich als echte Profis ihres Fachs auswiesen. Nun war den Exkursionsteilnehmern klar, warum KME in Osnabr\u00fcck\u00a0 liegt. Verkehrstechnisch ist Osnabr\u00fcck sehr gut ausgestattet, denn hier gibt es einen quasi internationalen Kanalanschluss mit Hafen, \u00fcberregionale Autobahnanbindungen und ein bundesweit einmaliges Eisenbahnkreuz in den vier Haupthimmelsrichtungen. Also kann das KME-Werk sehr gut mit Rohkupfer versorgt und die Produkte mit allen drei Verkehrstr\u00e4gern in Deutschland, Europa und dar\u00fcber hinaus verteilt werden. Arbeitkr\u00e4fte gibt es gen\u00fcgend vor Ort und Osnabr\u00fcck hat dazu noch einen hohen Wohn- und Freizeitwert. Das w\u00e4re also gekl\u00e4rt\u2026..<\/p>\n<p>\u201eTraditionsgem\u00e4\u00df\u201c endete die Exkursion dann in einer von Sch\u00fclern hei\u00df geliebten \u201eBouletterien\u201c mit einer Nachbesprechung, auf der eine weitere Exkursion ins Auge gefasst wurde \u2013 die Erkundung des Piesbergs oder des H\u00fcggels. (Bild und Text Gahm)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/9d-KME-120619-bot-Garten-7e-002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-13732\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/9d-KME-120619-bot-Garten-7e-002-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/9d-KME-120619-bot-Garten-7e-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-13731\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/9d-KME-120619-bot-Garten-7e-001-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Exkursion der Klasse 9d nach Osnabr\u00fcck zur \u201eKME \u2013 Kabelmetall\u201c \u201eIndustrieanlagen stehen nicht ohne Grund in der Landschaft herum!\u201c Das wei\u00df jeder Laie. 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