{"id":12165,"date":"2018-09-28T13:40:46","date_gmt":"2018-09-28T11:40:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gymbsb.de\/?p=12165"},"modified":"2018-11-28T15:48:36","modified_gmt":"2018-11-28T14:48:36","slug":"o-schaurig-ists-uebers-moor-zu-gehn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gymbsb.de\/?p=12165","title":{"rendered":"\u201eO schaurig ist\u2019s, \u00fcbers Moor zu gehn\u2026!\u201c"},"content":{"rendered":"<p dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Exkursion der Klassen 11 a und b in das Goldenstedter Moor&#8230;<\/strong><\/p>\n<p dir=\"auto\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/kqL4tEoIeO4\" width=\"560\" height=\"314\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer kennt nicht die Ballade aus dem Jahre 1842 \u201eDer Knabe im Moor\u201c von Anette Droste-H\u00fclshoff, in dem das Moor als eine geheimnisvolle, schaurige Landschaft beschrieben wird, die auch den Menschen, die hindurch wollen, gef\u00e4hrlich werden kann\u2026\u2026<br \/>\nSo weit der Ausflug in den Deutschunterricht. In diesem Exkursionsbericht soll das Moor un-ter dem Aspekt \u201eNachhaltigkeit \u2013 \u00d6kologie im Fokus\u201c aus dem Blickwinkel der Geographen begeleuchtet werden, was vielleicht nicht ganz so romantisch anmutet, aber daf\u00fcr mit ein paar \u00dcberraschungen aufwartet, die uns alle angehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><br \/>\nDas Jahr der \u201eneu\u201c eingerichteten Einf\u00fchrungsphase der Klasse 11 steht im Geographieunter-richt unter dem komplexen Thema einer globalen Nachhaltigkeit in Raumnutzung und Raum-entwicklung, wobei vor allem die Gefahren einer anthropogenen \u00dcbernutzung unseres Planeten und die M\u00f6glichkeiten eines jeden, dieser durch eigenverantwortliches Handeln entgegenzutreten, den roten Faden bilden, der sich durch alle Unterrichtseinheiten zieht.<br \/>\nAuf der Basis von geographischem Grundwissen aus der Grund- und Mittelstufe sollen hierbei die vielf\u00e4ltigen Vernetzungen und R\u00fcckkopplungen des bis dato einzigartigen \u201eSystems Erde\u201c aufgezeigt werden. Und da kommen die \u00d6kosysteme der Moore ins Spiel, die quasi vor der gymnasialen Haust\u00fcr liegen und damit ein \u201egriffiges\u201c Beispiel f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vorgeben, die Verzahnungen von Reliefsph\u00e4re, Lithosph\u00e4re, Pedosph\u00e4re, Hydrosph\u00e4re, Atmosph\u00e4re, Biosph\u00e4re und Anthroposph\u00e4re zu verstehen.<br \/>\nDiese Moore verdankt Niedersachsen, das mehr als die H\u00e4lfte aller Hoch- und Niedermoore des Bundesgebietes stellt, den Oberfl\u00e4chenformen der Eiszeiten und dem atlantisch beeinflussten Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und reichlichen Niederschl\u00e4gen. In vielen Hohlformen der glazialen Serie, allen voran die kuppigen Grundmor\u00e4nen, sammelte sich nach dem R\u00fcckzug des Eises vor etwa 12.000 Jahren Wasser, was dann nach und nach zur Verlandung und Bildung von Niedermooren f\u00fchrte. Und hier kommt nun ein botanischer Tausendsassa ins Spiel, das zun\u00e4chst optisch recht unscheinbare Torfmoos \u201eSphagnum\u201c. Dieser kleine Organismus hat aber die erstaunliche F\u00e4higkeit, ohne Wurzeln auszukommen und seinen Wasser- und Mineralienhaushalt \u00fcber das Niederschlagswasser zu deichseln. Ausgestattet mit mikroskopisch sehr eindrucksvollen Flaschenzellen am St\u00e4mmchen und Photosynthese bzw. Ionenaustausch betreibenden Zellen in den winzigen Bl\u00e4ttchen der Pflanzenk\u00f6pfchen w\u00e4chst das Moos ohne Anschluss an das Grundwasser und bildete \u00fcber den oben genannten Zeitraum bis zu 30 Meter hohe \u201eHochmoore\u201c mit uhrglasf\u00f6rmig gew\u00f6lbtem Querschnitt auf den Niedermooren. Das bedeutet, dass ein solches Hochmoor aufgrund der besseren abiotischen Bedingungen im Zentrum schneller w\u00e4chst als am Rand. Durch den Ionenaustausch aus dem Regenwasser mit Hilfe spezieller Polygalkturons\u00e4uren produziert das Moos eine f\u00fcr sich g\u00fcnstige oligotrophe, d.h. mineralsalzarme, Umgebung im Hochmoor-zentrum, die sich nach au\u00dfen hin eher meso- bis eutroph gestaltet und so das Mooswachstum in dieser Zone zunehmend hemmt. Gleichzeitig wird das Wasser durch diesen Austausch sauer wie Essig und hemmt dadurch, unterst\u00fctzt durch Sauerstoffmangel, Zersetzungs-prozesse, sodass dieses Moos auf den eigenen abgestorbenen Pflanzenk\u00f6rpern \u2013 die dann den Wei\u00dftorf bilden \u2013 in die H\u00f6he w\u00e4chst! Da zudem in der Fotosynthese klimarelevante Gase, allen voran das den Treibhauseffekt befeuernde Kohlenstoffdioxid, in die Biomasse des Torfk\u00f6rpers eingebaut werden, sind Moore die weltweit wichtigsten \u201eStoffsenken\u201c, die den jeweiligen Stoffkreisl\u00e4ufen Kohlenstoff, aber auch Stickstoff entziehen und im Torfk\u00f6rper langfristig festlegen! Ein Hochmoor kann zwischen 200 und 300 kg Kohlenstoff pro Hektar und Jahr speichern und ist damit ein wesentlicher Gegenspieler des Klimawandels! Wen wundert es bei diesen Fakten, dass beim aktuellen Moorbrand einer Fl\u00e4che von ca. 1000 Fu\u00dfballfeldern im Emsland laut Pressemitteilung Experten ein Freisetzen von etwa 500.000 Tonnen CO\u00ac\u00ac2 sch\u00e4tzten.<br \/>\nGleichzeitig kann ein Moospfl\u00e4nzchen etwa das 20-fache der eigenen Trockenmasse an Wasser speichern, sodass der Grundwasserspiegel in Moorgebieten um mehrere Meter angehoben wird, was umliegende \u00d6kosysteme positiv beeinflusst.<br \/>\nMit diesem Wissen ausgestattet, fuhren die beiden Klassen der Geographielehrer Peter Gahm und J\u00fcrgen Gundlach h\u00f6chst erwartungsvoll ins Moor. Schon das Intro am \u201eHaus im Moor\u201c, der Goldenstedter Museums- und Forschungsstation, war ein absolutes Highlight. Hier enterten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler den \u201eMoorexpress\u201c, eine schmalspurige Moorfeldbahn, die man am besten beschreibt als eine Mischung aus \u201eM\u00e4nnerspielzeug\u201c und \u201eAchterbahn\u201c. Gezogen von einer 30 PS starken Diesellok, tuckerte sie zwei Stunden meist im Schritttempo \u00fcber einen Rundparcours aus \u201efliegenden\u201c Schienen, d.h., diese sind nicht wie bei der Deutschen Bahn auf einem Schotterbett fest verlegt, sondern einfach auf dem welligen Mooruntergrund aufgelegt, um jederzeit, dem Torfabbau folgend, verschoben werden zu k\u00f6nnen. Nur den Profis auf der Lok und ihren Fahrk\u00fcnsten war es zu verdanken, dass der Express kein einziges Mal entgleiste, was \u00fcbrigens laut Lokf\u00fchrer h\u00e4ufiger vorkommt und kein gro\u00dfes Problem darstellt\u2026<br \/>\nAn interessanten Stellen stoppte der Zug und der Exkursionsleiter, Herr Diepmeyer, erl\u00e4uterte sehr humorig per Headset die Charakteristika des Moores. So erfuhren die Exkursionsteil-nehmer weitere interessante Fakten \u00fcber die Moorentstehung und dessen Bioz\u00f6nose in den Bereichen des unber\u00fchrten Hochmoors, \u00fcber Abl\u00e4ufe der Moorbesiedlung und seiner land-wirtschaftlichen Nutzung, u.a. durch Buchweizenanbau sowie \u00fcber den b\u00e4uerlichen und industriellen Torfstich mit den korrelierenden negativen Folgen auf das Klima und den Grundwasserspiegel, bis hin zur Einbindung im Jahre 1984 in das Nieders\u00e4chsische Moor-programm mit der Hochstufung zum Naturschutzgebiet unter gleichzeitiger Wiederver-n\u00e4ssung abgetorfter Fl\u00e4chen zur Rekultivierung des Moors.<br \/>\nNach diesem eher rezeptiven Teil wurden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aktiv und erbohrten per Muskelkraft und unter Anfeuerung aller ein Moorprofil mit Hilfe eines Hohlbohrers. Ruckzuck waren die Bohrteams durch mehrere Jahrhunderte alte Torfschichten hindurch und man konnte auch in gr\u00f6\u00dferer Tiefe noch wenig zersetzte Samen, Fr\u00fcchte und Pflanzenreste unschwer erkennen. Besonders beeindruckend wie einmalig in seiner Ausf\u00fchrung war am Ende der Exkursion ein 15 Meter langer \u201eMoortunnel\u201c, in dem die unter dem lebenden Hochmoor liegenden Torfschichten in breitem Profil mit historischer Zeitskala bis weit vor Christi Geburt sehr anschaulich pr\u00e4sentiert werden, erg\u00e4nzt durch allerlei Exponate von Tieren, Pflanzen, Fossilien und Funden aus dem Moor, unterlegt mit Ger\u00e4uschen, wie der Schrei des Moorkauzes\u2026. Hier konnten sich die wechselwirkenden Gef\u00fchle von Mensch und einer unnahbaren, schaurig sch\u00f6nen Natur, wie sie der Knabe im Moor erlebte, einstellen, induziert durch Bilder spektakul\u00e4rer Moorleichen sowie Ausz\u00fcgen aus Gruselgeschichten, wie dem Sherlock Homes-Krimi \u201eDer Hund von Baskerville\u201c und den Resten eines im Moor versunkenen Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg . Dieser Meinung waren auch die beiden Praktikanten Sina Ehmann und Philip Minks sowie die Referendarin Miriam Hindirks. Die drei aufgrund ihres Studiums erfahrenen Moorexkursionisten \u00e4u\u00dferten einstimmig, dass diese Exkursion mit dem Moortunnelbesuch eine neue, sehr spannende und informative Dimension aufwies. Peter Gahm (Bilder: Gahm, Hindirks, Minks)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12182\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-047-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12181\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-042-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12180\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-041-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12179\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-029-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12178\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-026-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12174\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bild-1-Moor-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12175\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bild-2-Moor-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12176\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bild-3-Moor-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12177\" src=\"http:\/\/www.gymbsb.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Moorexkursion-Goldenstedt-11ab-040918-017-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion der Klassen 11 a und b in das Goldenstedter Moor&#8230; Wer kennt nicht die Ballade aus dem Jahre 1842 \u201eDer Knabe im Moor\u201c von Anette Droste-H\u00fclshoff, in dem das Moor als eine geheimnisvolle, schaurige Landschaft beschrieben wird, die auch den Menschen, die hindurch wollen, gef\u00e4hrlich werden kann\u2026\u2026 So weit der Ausflug in den Deutschunterricht. 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