Schüler bei den „Nachfahren“ des Archimedes zu Gast
Er saß nicht in seiner Hütte, einen Stab in der Hand
und malte geometrische Figuren in den Sandboden. Und er begrüßte seine Gäste
nicht mit brummender Stimme eines genervten alten Mannes: „Noli perturbare
circulos meos!“ („Zerstöre meine Kreise nicht!“) Im Gegenteil: Im modernen
Geschäfts- und Industriegebäude der Firma Segler Förderanlagen in Berge
empfing ein junger Geschäftsführer Schülerinnen und Schüler des Gymnasium
Bersenbrück, um ihnen das Unternehmen vorzustellen.
Über den antiken Mathematiker, Ingenieur und Erfinder
Archimedes wird berichtet, dass er eines Tages auf höchst spektakuläre Weise
seinen Mitmenschen in der sizilischen Stadt Syrakus von seiner Entdeckung
Kunde gab: Splitterfasernackt soll er über den Marktplatz gelaufen sein und
laut immer wieder das griechische Wort „Heureka!“ („Ich hab es gefunden!“)
gerufen haben: Er hatte beim Einstieg in seine Badewanne entdeckt, dass
verschiedene Stoffe ein unterschiedliches spezifisches Gewicht haben – und
löste damit einen Kriminalfall!
Im Rahmen des Q1-Seminarfaches „Antike Erfinder“ hatten
sich die Schüler exemplarisch mit dem bekannten Griechen und der ihm
zugeschriebenen Erfindung der „archimedischen Schraube“ (oder „Schnecke“)
auseinander gesetzt. Dabei war die Frage aufgetreten, wo eventuell auch
heute noch – außer auf Kinderspielplätzen! – diese Erfindung genutzt wird.
Bei der Recherche stieß man auf die in Berge ansässige Firma, deren
Produktpalette wesentlich auf dieser Erfindung des alten Griechen basiert.
Gibt es auch heute noch Erlebnisse, Entdeckungen,
Erfindungen, die den Entdecker in einen solchen emotionalen Ausnahmezustand
versetzen? wollten die Gymnasiasten wissen. „Ein Heureka-Erlebnis habe ich
noch nicht gehabt.“ sagte Geschäftsführer Thomas Neteler. Es gehe heute
gerade in der Entwicklung neuer Produkte und bei kundenorientierten
Problemlösungen wesentlich sachlicher zu. Und, so Neteler, die Archimedische
Schraube müsse ja genau so wenig wie das Rad ein zweites Mal erfunden
werden.
Im Folgenden vermittelte der Geschäftsführer den jungen
Gästen ein intensives Bild des Berger Unternehmens: Fast 100 Jahre alt hat
es sich in der Chemie- und Lebensmittelindustrie und in der Energie- und
Kraftwerkstechnik etabliert und liefert in diese Betriebe speziell
gefertigte Produkte – fast jedes ein Unikat und keine Massenproduktion. Als
eines der neuesten Segler-Produkte führte Neteler eine Mischerschnecke vor,
die Honig aufs Müsli träufelt! Beim anschließenden Gang durch die
Betriebsgebäude führte Neteler von der Entwicklungs- zur
Produktionsabteilung, zeigte also den Gästen den Weg eines Produktes von der
Idee bis zur Montage, vom detaillierten Plan, erstellt am PC mit CAD, bis
hin zum auslieferungsbereiten Produkt ging es vorbei an den Arbeitsplatzen
der etwa 100 Mitarbeiter.
„Und wie erleben Sie die Wirtschaftskrise?“ fragten die
Schüler am Ende des Rundgangs. Dazu Neteler:„Die Krise ist zu uns nicht
durchgeschlagen. Wir sind mit unseren Angeboten breit aufgestellt und daher
nicht so abhängig von einem Kunden wie andere Unternehmen. Dazu ermöglicht
die flache Hierarchie in der Firma ein sehr flexibles Reagieren auf
bestimmte Situationen.“
So erlebten die Schülerinnen und Schüler einen Betrieb,
in dem Menschen tagtäglich kreativ und innovativ und mit großem
handwerklichen Geschick an Projekten und Problemlösungen arbeiten, jedoch
ohne gleich auf dem Berger Marktplatz mit einem lauten „Heureka“ die
Bevölkerung in Unruhe zu versetzen! Die Publizierung, dass Gutes geleistet
wird, findet heutzutage andere, vielleicht nicht immer ganz so spektakuläre
Wege.