Gymnasium Bersenbrück

Brigitte-Sauzay-Austausch 2011

 

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„Mmmh lecker, Bratwurst vom Grill und Butterbrot!“ - Junge Französinnen erleben Deutschland -  und erwarten den Gegenbesuch

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Aurélie und Tomke Beim Interview v.l.n.r.: Tina Kruse-Zapp, Tomke, Margaux, Josie und Aurélie Josie und Margaux  

Margaux und Aurélie sind für acht Wochen im Rahmen des „Brigitte-Sauzay-Austauschprogramms“ in Deutschland. In der Nähe Bersenbrücks (Merzen und Rieste) haben sie ihre Partnerfamilien gefunden und zusammen mit Josie und Tomke besuchen sie das Gymnasium Bersenbrück, wo sie von der Lehrerin Tina Kruse-Zapp betreut werden. Nach sechs Wochen ihres Aufenthaltes in der neuen Umgebung scheinen sie „voll drin“ zu sein im Leben ihrer beiden deutschen Austauschpartnerinnen.

Mittwochmorgen um halb zehn: Aus dem Raum, in dem das Interview mit den vier Schülerinnen stattfinden soll, dringt fröhliches Geplapper, von dem ein Zuschauer nur wenig versteht – ein Gemisch aus Deutsch, Französisch und Englisch; durch den Türspalt sieht man die Unterstützung durch die Körpersprache. Sie muss da herhalten, wo Worte nicht so schnell gefunden werden. Die Situation vermittelt den Eindruck gelebter Partnerschaft.

Kruse-Zapp: Aurélie und Margaux, ihr seid jetzt sechs Wochen in Deutschland. Wie fühlt ihr euch?

Aurélie: (antwortet auf Französisch, mit einigen Wörtern Deutsch) Ich fühle mich hier gut, lebe ohne Probleme in einer sehr lieben Familie.

Margaux: Das einzige Problem, das ich habe, ist eigentlich, dass ich in zwei Wochen schon wieder zurück nach Hause muss!

Kruse-Zapp: Worin seht ihr denn die Unterschiede zwischen eurem Leben in Frankreich und dem hier in Bersenbrück?

Aurélie und Margaux: Die Mahlzeiten sind schon deutlich anders! Brötchen am Morgen und Butterbrot am Abend – das gibt es in Frankreich nicht. Abends essen wir eigentlich immer warm. Und dann ist da noch das frühe Aufstehen, weil wir ja auch mit dem Bus zur Schule fahren müssen! Von Merzen bis zur Schule in Bersenbrück ist es ja eine ganz schön weite Strecke. Ach ja, und der Unterricht beginnt auch viel früher als bei uns in Frankreich. Dafür sind wir dort dann aber bis 17:00 Uhr in der Schule, haben nur mittags eine längere Pause (in den kleinen darf man nicht mal etwas essen oder trinken).

Kruse-Zapp: Habt Ihr während eures Aufenthaltes in Deutschland schon Probleme bewältigen müssen?

Margaux: Eigentlich nicht, sieht man mal von der einen oder anderen Schwierigkeit bei der Verständigung ab. Und wenn etwas ist, reden Josie und ich miteinander. Und in der Schule treffen wir uns ja auch mit Ihnen, um uns auszutauschen. Aber echte Probleme habe ich noch nicht gehabt (bis auf, dass die Zeit so schnell vorüber geht).

Kruse-Zapp: Das muss wohl daran liegen, dass ihr sehr viel mit euren Gastfamilien unternehmt!

Aurélie: Das stimmt. Eigentlich ist immer etwas los! Tomke und ich waren schon mit der Familie in Bremen und Berlin. Natürlich haben wir auch Ziele in der näheren Umgebung besucht, zum Beispiel die Maiwoche in Osnabrück und Kalkriese mit seiner Ausstellung zur Varus-Schlacht. Am Alfsee habe ich sogar Wasserskifahren gelernt. Richtig toll war auch der Abtanzball, zu dem ich mitgehen konnte!

Margaux: Oh ja, ich war sogar bei einigen Tanzstunden dabei! Außerdem ist meine Familie mit mir nach Hamburg und nach Holland zum Ijsselmeer gefahren. In Stavoren hat der Großvater ein Boot liegen, mit dem wir segelten. Ganz cool war aber auch das Priggenhagener Schützenfest, zu dem wir mitgehen durften!

Kruse-Zapp: Ich habe gehört, dass ihr auch an einer Klassenfahrt teilnehmen konntet.

Margaux: Das war besonders schön und aufregend. Wir fuhren nach Schleswig-Holstein auf einen Ponyhof. Und da ich ohnehin Pferde liebe …

Kruse-Zapp: Wenn ihr zurückkommt nach Frankreich: Was werdet ihr euren Freundinnen erzählen?

Aurélie: Ich habe das Gefühl, mich durch diesen Austausch weiter entwickelt zu haben. Ich habe neue Perspektiven kennen gelernt und sehr interessante Erfahrungen gesammelt, Menschen in einer anderen Umgebung getroffen, die ich sonst nicht kennen gelernt hätte.

Margaux: Das kann ich nur bestätigen! Ich finde auch, dass ich selbständiger geworden bin. So ohne die Eltern im Hintergrund bin ich ziemlich unabhängig und das genieße ich. Deshalb werde ich diese Art des Austausches sehr weiterempfehlen.

Kruse-Zapp: Nun aber auch zu euch beiden, Josie und Tomke! Eure beiden Austauschpartnerinnen sind ja ganz schön ins Schwärmen geraten, was den Aufenthalt bei euch angeht. Wie habt ihr das denn empfunden, als die „Fremde“ ins Haus kam?

Josie: Och, das war eigentlich gar kein Problem. Naja, ein bisschen komisch war es schon, dass im Badezimmer morgens noch eine Person mehr sich fertig machte für den Tag! Wir hatten für Margaux das Gästezimmer hergerichtet, das sie nutzen konnte, wo sie sich auch mal zurückziehen und für sich allein sein konnte. Über unser gemeinsames Hobby, das Reiten, haben wir uns von Anfang an prima verstanden, haben sogar an Turnieren teilgenommen und sind viel unterwegs gewesen!

Tomke: Bei uns lief es ähnlich. Aber gerade am Anfang habe ich darauf geachtet, dass Aurélie immer in unseren Tag und unser Tun eingebunden war. Das war in gewisser Weise schon etwas anstrengend. Aber da haben mich mein Bruder und meine Eltern ganz toll unterstützt. Auch das war eine sehr gute Erfahrung während des Austausches!

Kruse-Zapp: Ihr wart ja beide noch nicht in Frankreich. Wann werdet ihr denn zum Gegenbesuch aufbrechen? Und wohin genau geht es dann?

Tomke: Am 23. September geht es los; das ist Freitagnacht. Wir haben uns abgesprochen: Josies Eltern bringen uns nach Châteaubourg. Das liegt in der Nähe von Rennes in der Bretagne. Am Ende unseres Aufenthaltes in Frankreich werden uns meine Eltern von dort abholen.

Kruse-Zapp: Worauf freut ihr euch? Was macht euch vielleicht auch Sorgen?

Josie: Erstmal, denke ich, werde ich mich auf das Wiedersehen mit Margaux und Aurélie freuen. Sicher, wir werden zwischendurch skypen, um uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Ansonsten freue ich mich darauf, viele neue Leute zu treffen und mein Französisch zu verbessern. Natürlich bin ich auch auf die französische Schule gespannt, den Unterricht dort und die allgemeine Lebensweise. Und Margaux hat versprochen, dass wir an Geländeturnieren teilnehmen werden!

Ein bisschen Angst habe ich davor, vielleicht Heimweh nach meiner Familie zu bekommen und vor allem so lange mein Pony nicht zu sehen.

Kruse-Zapp: So, jetzt noch ein paar kurze Fragen mit kurzer Antwort! Aurélie und Margaux, was habt ihr als merkwürdig in Deutschland empfunden?Beide: In der ersten Woche prasselte viel Neues und davon viel Merkwürdiges auf uns ein! Das waren schon interessante Erfahrungen, um es mal so auszudrücken. In der Schule etwa, dass die Lehrer so freundlich und locker mit uns umgehen, und der Religionsunterricht, den es bei uns nicht im Rahmen des staatlichen Schulsystems gibt. Aber jetzt kann uns nichts mehr schocken! (Anmerkung: Diesen Satz sagten sie tatsächlich auf Deutsch!)

Kruse-Zapp: Sagt mal, habt ihr auch schon auf Deutsch geträumt?

Aurélie: Ja, sogar schon nach kurzer Zeit, nämlich in der dritten Woche habe ich mich dabei ertappt! Das war auch eine der Merkwürdigkeiten.

Kruse-Zapp: Und beim Essen: Was schmeckt euch am besten?

Margaux: Beim Grillen die Bratwurst ist echt lecker!

Kruse-Zapp: Und was trinkt ihr gerne?

Beide (wie aus einem Mund): Wasser, aber unbedingt ohne Kohlensäure!

Kruse-Zapp: Wie steht es mit euch beiden in dieser Hinsicht, Josie und Tomke?

Josie: Alles geht, nur keine Froschschenkel oder Schnecken!

Tomke: Und beim Trinken sind wir nicht so wählerisch!

Kruse-Zapp: Liebe Schülerinnen, vielen Dank, dass ihr so interessant Rede und Antwort gestanden habt! Ich wünsche euch, dass ihr euch weiterhin so gut versteht wie bisher und dass der jetzt anstehende Gegenbesuch in Frankreich zu einem tollen Erlebnis wird!

 

Brigitte Sauzay (1947-2003)

Brigitte Sauzay (* 25. November 1947 in Toulon; † 11. November 2003 in Paris) arbeitete als Dolmetscherin für die drei französischen Präsidenten Georges Pompidou, Valéry Giscard d’Estaing und François Mitterrand. 1993 gründete sie gemeinsam mit Prof. Rudolf von Thadden das „Berlin-Brandenburgische Institut für deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa“, die heutige Stiftung Genshagen. Im Jahre 1998 holte sie der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder als Beraterin für die deutsch-französischen Beziehungen nach Berlin. (Quelle: Wikipedia)

Brigitte Sauzay initiierte ein deutsch-französisches Schüleraustauschprogramm, das nicht größere Gruppen zusammenbringen will, sondern Einzelpartnerschaften vermittelt. Der Kontakt findet über Schulen, d. h. interessierte Lehrerinnen und Lehrer statt, die Schüler zum Austausch vermitteln.

Interview: Tina Kruse-Zapp

Dokumentation und Fotos: Bernd Zur-Lienen

Lesen Sie auch den entsprechenden Artikel aus dem "Bersenbrücker Kreisblatt" vom 21.09.2011. Dazu klicken Sie bitte zur Vergrößerung auf das Miniaturbild.