Die JuniorAkademie in Papenburg – meine Erfahrung (von Zoe Kettmann)


Außerschulisches Lernen? – Oder doch Ferienspaß?

In den vergangenen Herbstferien, vom 9. – 16. Oktober 2020, nahm ich an der 13. Niedersächsischen JuniorAkademie in der Historisch Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg teil. In diesen Erfahrungsbericht möchte ich davon erzählen, wie ein typischer Akademietag aussieht und wie die Akademie trotz der Corona-Pandemie stattfinden konnte.

Etwa 60 Schülerinnen und Schüler, welche Schulen im ganzen ehemaligen Regierungsbezirk Weser-Ems Niedersachsens besuchen und in die 8. bis 10. Klasse gehen, traten am Freitagnachmittag den Weg nach Papenburg an. Diese hatten nicht nur schwere Koffer dabei, es gab nämlich auch viele Teilnehmende, die ihre Musikinstrumente mitbrachten, darunter sogar ein Kontrabass. Nachdem alle das mitgebrachte Gepäck in ihren Zimmern verstaut hatten und schon die ersten Bekanntschaften gemacht worden waren, trafen sich alle Teilnehmenden im Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ), wo sie von der Akademieleitung begrüßt wurden und man sie mit dem Hygienekonzept vertraut machte. Schließlich ist es in Zeiten von Corona nicht selbstverständlich, dass eine Zusammenkunft mit so vielen Personen stattfinden kann. Nur wenn alle sich an die Absprachen hielten, konnte die Akademie stattfinden. Anschließend lernten die Schülerinnen und Schüler ihre Kursmitglieder und die Kursleiter und Leiterinnen kennen. In diesem Jahr wurden die Kurse „Physik“, „Ökologie und Medien“, „3D-Brückenbau“, „Politik“, „Philosophie“ und „Komposition“ angeboten.

Ich nahm am Politik-Kurs teil, der in diesem Jahr unter dem Thema „Globalisierung“ stand. Unser Kurs bestand aus vier Mädchen und drei Jungen, welche allesamt großes Interesse und Engagement zeigten. In unserer ersten Kurseinheit am Abend befassten wir uns intensiv mit dem Begriff „Globalisierung“ und arbeiteten Chancen und Probleme heraus, welche diese mit sich bringt. Etwas müde, aber voller Vorfreude auf den nächsten Akademietag, gingen alle um 22.00Uhr auf ihre Zimmer.

Einige schliefen direkt, andere unterhielten sich noch lange mit ihren Zimmerpartnern – so wie auch ich. Um ehrlich zu sein, war ich davon überzeugt, dass ich ein Einzelzimmer bekommen würde, bis mir bei meiner Ankunft in der Akademie ein Doppelzimmer zugeteilt wurde. Zuerst war ich nicht so begeistert davon, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es eher ein Vorteil war, sich mit einer fremden Person ein Zimmer zu teilen, denn so habe ich direkt am Anfang eine neue Freundin kennengelernt. Das hat mir den Einstieg in die Woche ziemlich erleichtert. Außerdem hatte ich mit meiner Zimmerpartnerin immer jemanden, mit dem ich mich über den Tag austauschen konnte.

Ich muss zugeben, in der ersten Nacht habe ich nicht so gut geschlafen und war oft wach, aber das ist ja auch nicht ungewöhnlich, wenn man in einer fremden Umgebung übernachtet. Im eigenen Bett zu Hause schläft es sich ja bekanntlich am besten. Für den ersten richtigen Akademietag war ich sehr motiviert und ging schon um 7.45Uhr frühstücken. Beim Frühstück traf ich auch immer schon meinen Kurs. Aufgrund der Hygieneregeln gab es beim Essen in der Mensa immer eine feste Sitzordnung, welche so aussah, dass nur die Kurse untereinander zusammen an einem Tisch sitzen durften. Auf diese Weise sollte gewährleistet werden, dass sich unsere direkten Kontaktpersonen nur auf ein Minimum beschränken. So sollte die Gefahr einer Corona-Infektion und deren Auswirkung so gering wie möglich gehalten werden. Neben einer breiten Auswahl an Brötchen und Aufschnitt gab es beim Frühstücksbuffet jeden Tag Joghurt, Müsli, Obst, Porridge, Säfte und Kakao. Aber nicht nur das, auch Vegetarier und Veganer wurden im HÖB satt. Eine große Vielfalt an Ersatzprodukten, wie z.B. pflanzlicher Milch wurden angeboten. Bevor die Kursarbeit begann, erkundeten ein paar Kameraden aus meinem Kurs und ich noch etwas die Gegend und machten einen Morgensparziergang um den See, welcher direkt am Hauptgebäude der HOEB liegt. Beim Essen genossen wir immer den Blick aufs Wasser.

Um 9.00Uhr starteten wir in die erste Kurseinheit des Tages, bei der wir zuerst Gruppen aus jeweils zwei oder drei Personen bildeten. Jeder Gruppe wurde eine Frage bezüglich der Globalisierung zugeteilt. Darauf wurde recherchiert und Antworten gefunden. Nachdem wir unsere Ergebnisse besprochen hatten, gab es erstmal eine Kaffeepause, die jeden Tag zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr anstand. In der Pause standen für uns immer Kaffee, eine sehr große Auswahl an Tee und Kekse bereit. (vorausgesetzt, die anderen Kurse haben nicht schon alles aufgegessen…) Als wir dann wieder voller Energie waren, bereiteten wir uns dann schonmal auf die Kurseinheit am Nachmittag vor. Eine Podiumsdiskussion, in der es um die Produktion eines Turnschuhs geht, stand auf dem Plan. Dabei sollte jeder von uns eine andere Position annehmen und dessen Standpunkt überzeugend erläutern. Alle Positionen von der Näherin in Indonesien, zum Besitzer der Sportmarke, bis zu einer Vertreterin einer Menschenrechtsorganisation waren involviert.

Bevor es mit der Diskussion losging, war aber erstmal Mittagspause. Um Gedränge und lange Schlangen am Buffet zu vermeiden, gab es beim Mittag- und Abendessen eine frühe und eine späte Schicht. Auch die Auswahl am Mittagstisch ließ keine Wünsche offen. Auch hier gab es wieder alles von Fleisch bis Gemüse und natürlich Nachtisch. Für die Vegetarier und Veganer gab es natürlich ein spezielles Menu, welches selbst die überzeugten Fleischesser neidisch machte.

Nach dem Mittagsessen gab es fast jeden Tag die Möglichkeit, sich bei Kursübergreifenden Aktivitäten (KüAs) anzumelden. So hatte man die Chance, Teilnehmende aus anderen Kursen besser kennenzulernen und einen netten Ausgleich zu der Kursarbeit zu erleben. Angeboten wurden sowohl sportliche Aktivitäten wie Badminton, Tischtennis oder Fahrradfahren, als auch Aktivitäten, bei denen man sich kreativ ausleben konnte, wie Theater, Backen oder Musizieren. Wer besonders motiviert war, konnte sich sogar für Joggingeinheiten anmelden. (morgens, um 6.30Uhr!!!) Dafür konnten sich zwar nicht so viele begeistern, aber diejenigen, die mitmachten, waren danach immer sehr gut drauf. Die Kursübergreifenden Aktivitäten haben mir persönlich sehr zugesagt und es war immer wieder ein Vergnügen, neue Gesichter kennenzulernen. Natürlich waren diese aber freiwillig, sodass man seine freie Zeit ganz individuell gestalten konnte. An einem Nachmittag z.B. ging ich mit ein paar anderen Mädchen in die Stadt, anstatt zu einer KüA.

Die Kurseinheit am Nachmittag begann meistens um 16.30Uhr. An diesem Tag stand (wie schon bereits erwähnt) die Podiumsdiskussion auf dem Programm und ich muss sagen, die hatte es in sich. Meine Kursmitglieder waren ziemlich gut vorbereitet und brachten ein starkes Argument nach dem anderen hervor. Da ich die Moderatorin der Diskussion war, musste ich dafür sorgen, dass das hitzige Gespräch nicht aus dem Ruder läuft. Außerdem vermittelte ich zwischen den Parteien. Insgesamt ist mir dieses auch recht gut gelungen, doch letztendlich sind wir am Ende nicht wirklich auf einen gemeinsamen Nenner gekommen, was daran lag, dass die verschiedenen Standpunkte einfach zu weit auseinanderlagen. Trotz allem war diese kritische Konversation sehr aufschlussreich und wir lernten, dass hinter einem Turnschuh im Geschäft eine lange Produktionskette steckt. Unterbrochen wurde die Kurseinheit am Nachmittag immer durch eine weitere Kaffeepause, bei der es jeden Tag anderen leckeren Kuchen gab. (Ja, es gab in Akademie wirklich ständig Essen…)

Nach Beendigung der Kursarbeit ging es dann auch direkt zum Abendessen. Auch hier gab es wieder eine frühe und eine späte Schicht. Zum Abendessen muss ich glaube ich nicht mehr viel sagen. Genauso wie bei den anderen Mahlzeiten war die Auswahl vielfältig und alle wurden satt. Insgesamt kann man sagen, dass die Verpflegung in der Akademie 1A war.

Abends, nach dem Essen sah das Programm jeden Tag unterschiedlich aus. An manchen Abenden ging es wieder zurück in die Kursarbeit und an anderen Abenden wurden wieder KüAs angeboten. Besonders beliebt war die KüA „Werwolf“, ein Gemeinschaftsspiel, das sicherlich die meisten kennen. Da der Ansturm immer sehr hoch war und es teilweise zu viele Leute wurden, die Werwolf spielen wollten, kam ein Mädchen aus meinem Kurs auf die Idee, sich abends innerhalb unseres Kurses im RUZ zu treffen und dort die Abende zu verbringen. Mit diesem Vorschlag waren alle einverstanden und so trafen wir uns an einem Abend mit unserem Kurs und noch drei weiteren Teilnehmenden. Wir spielten nicht nur Werwolf, sondern wurden auch noch musikalisch auf dem Klavier und der Geige begleitet, denn zwei Jungen, mit denen wir uns trafen, zeigten endlich mal etwas von ihrem musikalischen Talent. Die beiden waren wirklich sehr talentiert und präsentierten uns die verschiedensten Musikstücke, die manche sogar zu Tränen rührten. Ich muss schon sagen, dass wir am Anfang alle noch relativ schüchtern waren, aber durch die vielen interessanten Gespräche, welche wir führten ist unsere Gruppe immer mehr zusammengewachsen. Die Abende, die wir zusammen verbracht haben, waren immer sehr schön und leider viel zu kurz!

So sah also ein typischer Tag in der JuniorAkademie aus, aber es gibt noch einiges zu erzählen…

Die Podiumsdiskussion ist selbstverständlich nicht das einzige, das wir in unserer Kursarbeit gemacht haben. Schließlich hatten wir eine ganze Woche Zeit. An einem Nachmittag stellten wir in unserem Kurs die Welthandelskonferenz nach und debattierten über das Thema „Biosprit“. Das Ziel dieser Konferenz war die Ausarbeitung von global geltenden Kriterien nach denen Bio-Kraftstoffe als nachhaltig oder eben nicht zertifiziert werden.

Da sich unser Kurs auch recht intensiv mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigte, ließen wir an einem Nachmittag mithilfe einer Internetseite unseren ökologischen Fußabdruck berechnen, wobei uns das Ergebnis mehr oder weniger schockierte. Die ökologischen Fußabdrücke von uns waren alle viel zu groß. (Würden alle Menschen auf der Welt so leben, wie der/die durchschnittliche Deutsche, bräuchten wir drei Erden!) Direkt im Anschluss überlegten wir uns Möglichkeiten, die uns dabei helfen sollten, unser Leben nachhaltiger zu gestalten. Wir fanden heraus, dass es nicht nur ausreicht, weniger Fleisch zu essen oder mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Wer wirklich nachhaltig leben möchte, sollte schon beim Wohnen anfangen und weniger heizen, sich eine kleinere Wohnung kaufen oder gebrauchte Möbel verwenden. Außerdem sollte man Strom sparen, Flüge vermeiden, möglichst öffentliche Verkehrsmittel nutzen und stark auf das eigene Konsumverhalten achten. Eine einzelne Person kann nicht viel bewirken, aber wenn alle einen kleinen Teil beitragen, kann schon sehr viel für den Klimaschutz getan werden.

Am selben Tag haben wir auch noch das Thema „Greenwashing“ besprochen. Beim Greenwashing handelt es sich um eine Bezeichnung für PR-Methoden, welche dazu führen, dass Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image bekommen. Dabei handeln diese Firmen in der Realität häufig gar nicht nachhaltig. Wir lernten dazu noch, auf welche Siegel man beim Einkaufen von Lebensmitteln achten kann, um über die Nachhaltigkeit eines Produkts urteilen zu können.

Besonders interessant und nennenswert waren die Interviews, die wir mit verschiedenen Expertinnen und Experten geführt haben. Aufgrund von Corona konnten wir diese leider nicht in Bremen besuchen. Darum hielten wir mit ihnen Videokonferenzen ab. Trotz anfänglicher technischer Probleme, waren diese aber ein voller Erfolg, da wir viel von den Referenten lernen konnten. Der erste Experte, mit dem wir sprachen, war ein Experte für den Islam, die Türkei und Konflikte im Nahen Osten. Er erzählte uns etwas über die Deutsch-Türkische Beziehung und teilte uns mit, ob er einen türkischen Eintritt in die Europäische Union befürworten würde. Die Gebiete, mit denen sich die anderen beiden Personen, mit denen wir sprachen hauptsächlich beschäftigten, waren Menschenrechte, Konsum und Nachhaltigkeit. Wir bekamen von diesen unter anderem Ratschläge, die uns dabei helfen sollten, unser Konsumverhalten nachhaltiger zu gestalten.

Zum Ende der Akademie sollte jeder Kurs die Ergebnisse der letzten Tage den anderen präsentieren – so auch wir. Unsere Gruppe einigte sich relativ schnell auf eine visuelle Präsentationsmethode. Nach langer Vorbereitung präsentierten wir der Akademie unsere Ergebnisse und wir haben unsere Vorstellung mehr oder weniger als Erfolg abgestempelt. Auch die anderen Kurse haben tolle Arbeit geleistet und konnten uns ihre Ergebnisse mit Stolz präsentieren. Besonders der Philosophiekurs, der mehrere Reden geschrieben und vorgetragen hat, beeindruckte mich. Die Teilnehmerinnen sprachen Themen wie Selbstmotivation, Flüchtlinge und Feminismus auf eine mitreißende Art und Weise an.

Am Tag der Abreise erhielten alle Teilnehmenden noch eine Teilnahmebescheinigung und die Kursleiterinnen und Kursleiter erhielten als Dankeschön kleine Aufmerksamkeiten. Mein Kurs und ich nutzten nochmal die letzte Möglichkeit, mit den Booten, die es am See zum Ausleihen gab, zu fahren. In Papenburg gibt es viele Kanäle und Seen. Darum gab es dort zum Bootfahren echt viele Möglichkeiten. Wenn ich ehrlich sein will, muss ich schon sagen, dass der Abschied sehr traurig war, da wir innerhalb einer Woche als Gruppe sehr stark zusammengewachsen sind.

Abschließend kann ich sagen, dass ich die JuniorAkademie absolut weiterempfehlen würde. Man sollte sich zwar darüber im Klaren sein, dass man eine ganze Woche lang komplett eingespannt ist und wenig Freizeit hat, aber die Akademie bietet umso mehr Chancen. Ich habe viel von den anderen Teilnehmenden lernen können und unglaublich nette Personen kennengelernt, mit denen ich auch jetzt noch in gutem Kontakt stehe. Ein Treffen mit meinem Kurs ist jetzt schon Planung. Außerdem sehe ich die JuniorAkademie als gute Möglichkeit, die eigene Schüchternheit zu überwinden, weil man mehr oder weniger dazu gezwungen ist, auf fremde Leute zuzugehen. Allgemein kann ich sagen, dass ich alle Leute, auf die ich dort getroffen bin, als sehr positiv und freundlich wahrgenommen habe. Natürlich lernte ich dort auch viel Neues über Politik und Wirtschaft und bin sehr dankbar dafür, die Chance bekommen zu haben, an solch einem Angebot teilnehmen zu dürfen. Diese aufregende Woche hat definitiv meinen Horizont erweitert und wird mir immer in schöner Erinnerung bleiben!

Zoe Kettmann, Klasse 10a (Oktober 2020)

Gymnasium Bersenbrück