Zu Gast auf großer Bühne


Drei Schüler der Jahrgangsstufe 11 haben sich in Hannover einen exklusiven Einblick in das Geschäft der Landespolitik verschaffen können: Marvin Lorenz, Finn Fischer und Jannes Steinkamp folgten der Einladung von Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta, begleiteten mehrere Tage den Repräsentanten des Wahlkreises Bersenbrück, Christian Calderone, und trafen dabei auch auf einige namhafte Minister.

Hier berichten Marvin Lorenz und Finn Fischer, was sie nachhaltig beeindruckt hat und warum sie Politiker für unterschätzt halten.

Marvin Lorenz:

Mein Tagesablauf während der Hospitation
Der Tagesablauf hing vom Tagesplan ab. An den Plenartagen nahmen die Sitzungen den Großteil des Tages ein. Da waren neben der Plenarsitzung dann manchmal noch fünf andere Sitzungen. Kurzgesagt: Viel Stress und wenig Freizeit, dafür sehr interessanter Stress. An den anderen Tagen sind wir im Osnabrücker Land herumgefahren; einen einheitlichen Tagesablauf gab es dann nicht. Herrn Calderones Tagesablauf ist tatsächlich sehr strukturiert und meist schon Wochen im Voraus geplant.

Die Gesprächsthemen
Wenn es nicht um aktuelle Programmpunkte der Sitzungen ging, redeten wir oft über die Hessenwahl, die Wahlergebnisse und die Probleme, in denen die Politik ansetzen muss, zum Beispiel dass Deutschland beim Glasfaserausbau in Europa Schlusslicht ist. Ich bin mir aber sicher, dass ich hier nicht alles erzählen darf.

Die größte Überraschung
Wie unglaublich viel man fahren muss. (haha)

Was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird
Dass Politiker einen extrem anstrengenden und komplizierten Job haben. Dem weitverbreiteten Glauben, dass sie nur rumsitzen und nichts tun, muss ich widersprechen. Großer Respekt vor jedem, der durch die offene Haushaltsdebatte kommt, ohne dabei einzuschlafen!

Finn Fischer:

Als Begleitung von Christian Calderone habe ich vier Plenartage und einen Tag in seinem Wahlkreis miterlebt. Dieser Wahlkreis besteht aus der Stadt Damme, der Samtgemeinde Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta sowie den Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück. Herr Calderone gehört der CDU an, die mit 50 Abgeordneten die zweitstärkste Partei im Niedersächsischen Landtag stellt.

Finn Fischer (l.) und Jannes Steinkamp mit Wissenschaftsminister Björn Thümler

Am ersten Tag musste ich um 13.30 Uhr im Landtag in Hannover sein. Vor dem Beginn der Plenarsitzung bekam ich eine Tagesordnung mit den Redezeiten der Abgeordneten sowie den jeweiligen Themen. Die Sitzungen wurden immer von Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta eröffnet, die alle willkommen hieß und die Abwesenheit einzelner Mitglieder mit begründeter Entschuldigung vortrug. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag begannen die Plenarsitzungen um 9 Uhr morgens. Danach ging es jeweils weiter bis abends um circa 20 Uhr. Die einzige Pause am frühen Nachmittag dauerte etwa anderthalb Stunden.

Inhaltlich ging es am Montag z.B. um neue Gesetze zum Thema Anwaltsrecht und Familienrecht sowie um den bevorstehenden Brexit. Ein weitere Debatte drehte sich um den Paragraphen 219a, also die Frage, ob für Abtreibung Werbung gemacht werden dürfe oder ob es gar nicht um Werbung geht, sondern lediglich um eine bessere Information für junge Frauen und dass diese leichter zugänglich gemacht werden. Dieser Antrag wurde mit einer Mehrheit durch die Fraktionen der SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen befürwortet.

Finn Fischer (2. v. l.) und Jannes Steinkamp mit dem Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr. Bernd Althusmann und Christian Calderone (r.)

Von Dienstag bis Donnerstag konnte ich die Beratung zum Haushalt mitverfolgen, der dann am Donnerstagnachmittag beschlossen wurde. Der Haushalt 2019 hat ein Volumen von 32,9 Milliarden Euro. Die größten Ausgaben fallen mit 13,1 Milliarden Euro im Personalbereich an.

Der Tag im Wahlkreis war sehr anstrengend, da wir viele Termine an verschiedenen Orten wahrgenommen haben. Der erste Termin war noch in Hannover: Die Beratungen und die anschließende Abstimmung im Rechtsausschuss dauerten etwa zwei Stunden.

Danach sind wir mit dem Auto nach Osnabrück gefahren. Unser erster Termin war eine Beratung im Ausschuss für Umwelt und Energie. Es ging unter anderem darum, welcher Teil der Wälder, Wiesen und Moor/Sumpfgebieten unter Naturschutz gestellt werden soll.

Danach sind wir nach Quakenbrück gefahren, wo wir im Rathaus in einer Fraktionssitzung der CDU in der Samtgemeinde Artland ebenfalls über den anstehenden Haushalt 2019 beraten haben. In der anschließenden Expertenberatung wurde darüber gesprochen, wie der Wirtschaftsstandort Quakenbrück attraktiv gehalten werden kann. Dabei kamen zum Beispiel Vertreter mittelständischer Unternehmen zu Wort, da diese für die Wirtschaft in ländlichen Regionen stärker wirtschaftsfördernd sind als riesige Firmen. Außerdem stellten der Geschäftsführer der IQ Osnabrück sowie der Geschäftsführer der Industrie und Handelskammer Osnabrück die Ergebnisse von Umfragen vor, in denen es um darum ging, was den Menschen vor Ort gefällt, was nicht und was sie problematisch sehen.

Nach der Expertenberatung war mein Tag dann um kurz vor 22 Uhr beendet und ich wurde von Herr Calderone nach Hause gebracht.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein sehr spannendes Erlebnis war und ich viele neue Eindrücke bekommen habe, wie die Politik auf Landesebene abläuft. Ich kann es sehr weiterempfehlen und würde es jederzeit wiederholen.

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Gymnasium Bersenbrück